Havasupai Falls

Nur die Vorfreude konnte mich am Montag schon um 7 Uhr aus dem Bett treiben. Na gut, vielleicht auch, dass wir noch einiges vorzubereiten hatten bevor es losgehen konnte…
Zuerst musste ich mein neues Auto, ein Saturn SL1, Baujahr 2000, registrieren und mein Nummernschild abholen. (Es ist definitiv nicht das schönste Auto, jedoch günstig in Anschaffung und Verbrauch =)
Bezüglich des Nummernschildes hat jeder Staat seine eigene Regelung. In Arizona gibt es nur ein Schild, welches Hinten am Auto angebracht wird. Als ich um viertel vor 8 bei der DMV (Department of Motor Vehicles) ankam, bildeten bereits über 10 Leute eine Schlange bevor die Türen überhaupt geöffnet waren.

Marie brachte in der Zwischenzeit das Fahrrad zurück, welches wir am Campus für sie ausgeliehen hatten, um Überziehungsgebühren zu vermeiden. (Das Yellow-Bike-Projekt sieht den wöchentlichen Verleih von Rädern vor. Bringt man es nicht zurück, kostet es. Wie in der Bibliothek… :)

Nachdem wir das Auto mit unseren Lebensmitteleinkäufen und allem nötigen an Gepäck vollgeladen hatten, kehrten wir noch zu einem klassisch-amerikanischen Mittagessen ein und starteten anschließend Richtung Norden.
Unsere erste Anlaufstelle waren die „Havasupai Falls“.
Der Plan war bis zum Hualapai Hilltop zu fahren, wo wir das Auto stehen lassen und einen Wanderweg durch den Grand Canyon nach Supai laufen würden. Man kann lediglich auf drei unterschiedliche Arten dort hin gelangen: Zu Fuß ($0), mit dem Helikopter ($85/Person) oder mit Maultieren ($96/Maultier). Da wir weder die Kohle für den Helikopter, noch für ein Maultier investieren wollten, beschlossen wir dann doch die 9 Meilen (14,5 km) steinigen Weg zu Fuß zu bezwingen.

Gegen 6 Uhr Abends sind wir dann mit dem Auto am Hilltop angekommen und schlugen unser Zelt auf. Die Aussicht von dort war wirklich genial und der Sternenhimmel so prächtig wie wir ihn noch nie gesehen hatten. Sogar die Milchstraße war klar und deutlich zu erkennen. Nach einem Glas Rotwein mit bester Kulisse, ließen wir den Tag enden.
Am nächsten Morgen wurden wir schon früh von über-motivierten Wanderern geweckt. Marie fühlte sich leider nicht so gut, weshalb wir noch eine Weile auf dem Hilltop blieben. Gegen Mittag liefen wir dann, ausgerüstet mit zwei-Tages-Proviant, genügend Wasser und unserem Zelt, los. Der Weg war steinig und trocken. Dennoch einfach zu laufen, es ging nämlich nur Bergab. Hin und wieder überholten uns ein paar Mule-Karawanen. Ansonsten trafen wir lediglich vereinzelt Leute, die sich auf dem Rückweg befanden und uns gelegentlich die verbleibende Strecke mitteilten.

Letztendlich liefen wir ca. 4,5 Stunden und erreichten ein wenig erschöpft und hungrig das kleine Supai, umgeben von riesigen Felswänden. Der erste Eindruck vermittelt eine naturbelassene und ländliche Region. Die Häuser, in nicht besonders guten Zuständen, umringt von kaputten Zäunen, sind allerdings nur Fassade. Sobald man den ersten Bewohnern begegnet, bemerkt man schnell die technologische Zuneigung in Form von Beats-Kopfhörern, IPhones und Golf-Carts. Im Reich der Supaianer angekommen, wird man über eine einfache Wegführung zum Tourist-Office geschleust. Eigentlich wollten wir uns nur eine Mahlzeit im „Dorf-Restaurant“ gönnen und uns anschließend direkt auf die Suche nach einem Wild-Campingplatz machen. Die Dame im Tourist-Office pfiff uns allerdings zurück und meinte wir müssen zuerst einchecken. Da wir nicht einchecken wollten ($44 Dollar/Person für einen Tagesausflug), gab sie uns nach kurzer Diskussion eine halbe Stunde um im Restaurant etwas zu essen um danach wieder zum Hilltop zurück zu laufen. Die Gemeinde hat ihre eigene Art mit Zahlungswiderwilligen Touristen umzugehen, das haben wir schnell gemerkt. Dennoch sahen wir nicht ein zu bezahlen und verließen das Dorf um uns irgendwo einen Platz zum Zelt aufschlagen zu suchen. Auf dem Rückweg sahen wir noch einen weiteren Weg, der zu den Havasupai-Fällen führen könnte. Am Wegrand stand ein Schild „You are wrong, turn around“. Ein wenig doof-gestellt versuchten wir trotzdem unser Glück und passierten. Schon wenige Schritte nach dem Schild kam uns ein Kind entgegen, welches uns „You are wrong, turn around“ entgegen rief. Ein wenig niedergeschlagen bedankten wir uns und gingen weg. Nach ca. einer halben Stunde Suchen unter Verfolgungswahn (die Leute wollen wirklich „ihr“ Geld), fanden wir eine wirklich schöne Ecke wo wir uns wohlfühlten und uns niederließen.

Nach dem Aufstehen und einem herrlichen Fluss-Bad (denn das Wasser war wirklich super-klar), gingen wir nun doch zurück zum Tourist-Office, um unsere Tagesgebühr zu bezahlen. Leider waren wir nicht hartnäckig genug es nochmals auf anderem Wege zu versuchen und wollten doch unbedingt die Havasupai-Falls sehen…

Letztendlich hat es sich aber wirklich gelohnt, denn sie waren paradiesisch!
Nach zwei Stunden Baden und Sonnen, beschlossen wir den Rückweg zum Hilltop anzutreten. Es würde hart werden den Hilltop vor Sonnenuntergang zu erreichen, aber Marie fühlte sich schlechter und wollte nicht noch eine Nacht bleiben. Leider war der Rückweg nicht ganz so angenehm wie der Hinweg. Der Kiesboden war nicht sehr widerstandsfähig, was bei weitem mehr Kraftaufwand erforderte als Bergab. Gerade während der letzten anstrengenden Meter waren der Gedanke an ‚im Zelt liegen und Sterne schauen‘, die beste Motivation. Gerade deshalb haben wir den Wettlauf gegen den Sonnenuntergang gewonnen und erreichten erschöpft den Hilltop – sogar in kürzerer Zeit als Bergab! =)

Maries Gesundheitszustand erlaubte uns leider nicht unseren Plan fortzusetzen, am Folgetag Richtung New Mexico weiter zu fahren, sodass wir uns entschieden haben, die nächstgelegene Klinik in Williams, aufzusuchen. Anschließend beschlossen wir unsere Reise zu unterbrechen und noch ein paar Tage Genesungs-Urlaub in Flagstaff zu verbringen.

Mittlerweile geht es Marie wieder gut, weshalb wir uns vor ihrer Abreise am 09.10. noch auf eine kleinere Tour nach Sedona und Phoenix freuen. =)

 

Hier noch ein kleines Video unserer Hinreise zu den Havasupai Falls :)

(Sollte die Qualität schlecht sein, kann man im Video rechts unten mit dem Zahnrad die Qualität höher stellen. Beste Auflösung: 1080p [HD])